Engagement in Kenia 2026

Im Mai 2026 waren Dr. Flora Lindhammer, Dr. Antje Lindhammer und Thomas Lindhammer in Westkenia zu einem gemeinsamen Arbeitseinsatz in Nyabondo. Wir konnten das 2024 von Flora erstmals besuchte Projekt von Dentists for Africa tatkräftig unterstützen. Hier findet Ihr unseren Einsatzbericht:

Wir sind eine Familie, bestehend aus zwei Zahnärzten und einem Ingenieur, die bereits gemeinsam in Ruanda tätig war. Flora hatte zudem bereits im Sommer 2024 einen alleinigen Einsatz in Nyabondo absolviert. Mit großer Vorfreude und dem Wunsch, erneut einen Beitrag zur wertvollen Arbeit vor Ort zu leisten, machten wir uns auf den Weg nach Kenia.

 Die Vorbereitungen für unseren Einsatz begannen bereits lange vor der Abreise. Ein ganzes Wochenende benötigten wir, um die zahlreichen gesammelten Sachspenden zu sortieren, zu verpacken und auf insgesamt sechs Koffer zu verteilen. Unser persönliches Gepäck musste daher weitgehend auf das Handgepäck beschränkt werden. Die Reise führte uns mit Air France über Paris nach Nairobi. Dort wurden unsere Koffer bei der Einreise markiert, sodass wir zusätzlich rund 120 Euro Zollgebühren entrichten mussten. Angesichts der großen Menge an medizinischen Materialien und Hilfsgütern war dieser Betrag jedoch vergleichsweise gering, da wir Packlisten vorbereitet haben. Nach einer Übernachtung in einem Flughafenhotel in Nairobi ging es mit einem Inlandsflug weiter nach Kisumu.

Dort wurden wir herzlich von Isaac empfangen, der uns nach Nyabondo brachte. Im Gästehaus erwartete uns bereits Ruth mit einem liebevoll zubereiteten Abendessen. Diese herzliche Begrüßung vermittelte uns sofort das Gefühl, willkommen zu sein und nach Hause zu kommen. Am nächsten Morgen begann unser erster Arbeitstag. Georg führte uns zunächst durch das Krankenhaus und zeigte uns die zahlreichen Neuerungen und Entwicklungen seit dem letzten Besuch. Anschließend ging es direkt in die Dental Unit, wo bereits die ersten Patienten auf uns warteten.

Neben zahlreichen Extraktionen und einigen Füllungstherapien standen wir schon in den ersten Tagen vor besonderen Herausforderungen. Zwei Patienten mit Kieferfrakturen führten uns eindrücklich vor Augen, wie unterschiedlich die medizinischen Rahmenbedingungen im Vergleich zu Deutschland sind. In Kenia stehen oft nicht die gleichen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung. Statt sich davon entmutigen zu lassen, wird mit den vorhandenen Mitteln das Bestmögliche für die Patienten erreicht. Da keine Osteosyntheseplatten verfügbar waren, entschieden wir uns für eine vollständige Verdrahtung mittels Drahtligaturen zur Stabilisierung der Okklusion. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in den folgenden Wochen bestätigten den Behandlungserfolg und gaben uns die Sicherheit, den Patienten bestmöglich geholfen zu haben. Besonders beeindruckt haben uns die mobilen Einsätze. Sie ermöglichten nicht nur Einblicke in verschiedene Regionen des Landes, sondern auch in die Lebensrealität vieler Menschen außerhalb von Nyabondo. In den umliegenden Kliniken begegneten wir zahlreichen Patienten mit fortgeschrittenen zahnmedizinischen Erkrankungen. Viele Zähne waren nicht mehr erhaltungswürdig, sodass häufig nur noch die Entfernung von Wurzelresten möglich war. Gleichzeitig wurde uns einmal mehr bewusst, wie bedeutend Präventionsarbeit ist. Gemeinsam mit den COHOs verteilten wir Zahnbürsten, Zahnpasta und Zahnseide und vermittelten grundlegende Kenntnisse der Mundhygiene. Viele Menschen hatten zuvor noch nie eine Zahnbürste besessen oder konnten sich eine solche nicht leisten. Diese Erfahrungen verdeutlichten uns, wie essenziell die Arbeit von Dentists for Africa vor Ort ist.

Insgesamt nahmen wir an vier mobilen Einsätzen teil und konnten dabei viel von den engagierten COHOs lernen. Nach dem Ende der Schulferien besuchten wir außerdem gemeinsam eine Schule, in der wir an einem einzigen Tag rund 500 Kinder untersuchten. Dank der großzügigen Spenden konnte jedes Kind anschließend eine Zahnbürste und Zahnpasta mit nach Hause nehmen. Besonders berührend war die durchgängige Dankbarkeit, die uns überall entgegengebracht wurde. Unabhängig davon, welche Behandlung wir durchführten, spürten wir täglich die Wertschätzung und Herzlichkeit der Menschen. 

Da wir bereits seit vielen Jahren die Projekte von Dentists for Africa e.V. unterstützen und Kenia nicht zum ersten Mal besuchten, wurde für uns ein Treffen mit unseren fünf Patenkindern organisiert. Gemeinsam mit Sister Seraphine besuchten wir einige von ihnen in ihren Schulen. Stellvertretend für zahlreiche Sponsoren durften wir Geschenke überreichen und persönliche Grüße überbringen. Dieser Moment gehörte zweifellos zu den emotionalsten Erfahrungen unseres Aufenthalts. Die Freude der Kinder über eine neue Schuluniform, ein Handtuch oder kleine Aufmerksamkeiten war überwältigend und rührte uns zutiefst. 

Gleichzeitig machte es uns nachdenklich zu erfahren, dass viele Kinder regelmäßig Briefe an ihre Sponsoren schreiben, jedoch oftmals keine Antwort erhalten. Umso schöner war es, als Vertreter der Sponsoren vor Ort sein zu dürfen und den Kindern einige persönliche und ermutigende Worte mit auf den Weg zu geben.

Ein weiteres besonderes Erlebnis war die Einladung von Josephine, einer COHO aus Nyabondo, zu ihrer Familie. Wir lernten ihre Schwester, deren Ehemann sowie ihre vier Kinder kennen. Eine besondere Ehre war es für Flora, die jüngste Tochter der Familie kennenzulernen, die nach ihrem Besuch im Jahr 2024 ihren Namen erhalten hatte. Josephine und ihr Mann Charles erwarten derzeit ihr fünftes Kind und haben für ihre wachsende Familie ein neues Lehmhaus auf ihrem kleinen Hof errichtet. Die Gastfreundschaft und Offenheit, die wir dort erleben durften, werden uns lange in Erinnerung bleiben.

Während unseres Aufenthalts ereignete sich zudem eine bewegende Geschichte. Am 19. März 2026 wurde in Nyabondo ein neugeborenes Baby im Wald gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmerten sich von Beginn an liebevoll um den kleinen Jungen, der den Namen Joseph erhielt. Da ein dauerhaftes Leben im Krankenhaus jedoch keine Lösung sein konnte, organisierte Sister Seraphine einen Platz in einem kirchlichen Waisenhaus und schuf damit die Grundlage für seine weitere Zukunft. Es gelang sogar bereits, einen Sponsor für ihn zu finden. Während unseres Aufenthalts wurde Joseph getauft und offiziell in die Gemeinde aufgenommen. Als Taufgeschenk überreichten wir selbstgenähte Stoffwindeln der Witwen aus dem St. Monica Village. Dieser Moment zeigte eindrucksvoll, wie die verschiedenen Projekte von Dentists for Africa ineinandergreifen und sich gegenseitig stärken.

Auch unser mitgereister Ingenieur konnte wertvolle Unterstützung leisten. Neben der Begutachtung der Sauerstoffgewinnungsanlage gelang es ihm, das Bottle-System der Dental Unit provisorisch zu reparieren. Darüber hinaus erwies er sich als hervorragende Assistenz im Behandlungsalltag. Sein Einsatz machte deutlich, dass Hilfe in den Projekten auf vielfältige Weise möglich ist. Ob im Krankenhaus, im Kindergarten des St. Monica Village oder bei der Unterstützung der Witwen – engagierte Menschen werden überall gebraucht. Gemeinsam können wir die Welt besser machen!

Nach zweieinhalb intensiven, lehrreichen und emotional bewegenden Wochen fiel uns der Abschied besonders schwer. Aus Kolleginnen und Kollegen sind Freunde geworden. Wir kehrten mit großer Dankbarkeit, vielen neuen Eindrücken und dem tiefen Bewusstsein nach Hause zurück, dass selbst kleine Beiträge einen nachhaltigen Unterschied im Leben anderer Menschen bewirken können. Die Zeit in Nyabondo hat uns erneut gezeigt, wie wertvoll zwischenmenschliche Begegnungen, Solidarität und gelebte Hilfe sind – und wie viel man selbst dabei zurückbekommt.

Es wird nicht unser letzter Hilfseinsatz sein!